Flurfördermittelschein

Der Flurfördermittelschein, auch Gabelstaplerschein, Staplerschein oder Gabelstaplerführerschein genannt, ist Voraussetzung zum eigenständigen Führen eines Gabelstaplers. Der Erwerb ist durch die DGUV 68 und DGUV Grundsatz 308-001 geregelt.

 

Welche Voraussetzungen gibt es für den Erwerb vom Flurfördermittelschein?

Das Mindestalter zum Erwerb des Flurfördermittelschein liegt bei 18 Jahren. Für den Erwerb eines Flurfördermittelscheins, ist eine Prüfung erforderlich und der Fahrer muss körperlich (Seh- und Hörvermögen; gutes Reaktionsvermögen; Beweglichkeit der  Gliedmaßen) und geistig (Verständnis für technische und physikalische Zusammenhänge; Fähigkeit Signale erlernen, erkennen und umsetzen zu können; Eigenschaft, zuverlässig, verantwortungsbewusst und umsichtig zu handeln) in der Lage sein, ein Flurfördermittel zu bedienen. Vor dem Einsatz im Betrieb kann noch eine G25-Untersuchung auf körperliche Eignung verlangt werden.

Die Prüfung besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil, die beide bestanden werden müssen, um den Staplerschein zu erhalten. Der zeitliche Rahmen der Ausbildung beträgt etwa 3 bis 5 Tage (20 bis 32 Lehreinheiten á 45 Minuten).

 

Was beinhaltet die Ausbildung und Prüfung?

Die Ausbildung für den Flurfördermittelschein besteht zum einen aus einem theoretischen Teil, in dem Sicherheitsbestimmungen (z.B. Unfallverhütungsvorschriften, Betriebsanleitungen) und Gerätetechnik (z.B. Standsicherheit, Antriebsarten) kennengelernt werden. Eine genaue Übersicht der Themenfelder des Musterlehrplan nach DGUV Grundsatz 308-001 ist im Folgenden aufgeführt:

  1. Rechtliche Grundlagen (10-15 %) – Überblick über relevante Gesetze, Ordnungen, Verordnungen und Unfallverhütungsvorschriften in Bezug auf Flurförderzeuge.
  2. Unfallgeschehen (5 %) – Statistiken über Unfälle mit FFZ und ausgewählte Unfälle zur Analyse.
  3. Aufbau und Funktion von Flurförderzeugen und Anbaugeräten (5-10 %) – Aufbau eines Gabelstaplers, Aufbau anderer FFZ, Unterschiede Gabelstapler und Kraftfahrzeug hinsichtlich Lenkung, Fahrverhalten und Antrieb, Funktionen von Anbaugeräten wie Seitenschieber, Arbeitsbühne, Klammer, Gabelverlängerung und Schubgabel, Kippbehälter.
  4. Antriebsarten (5-10 %) – Batterie-elektrischer Antrieb, Batteriewechsel und Laden bei elektrischem Antrieb, verbrennungsmotorischer Antrieb (Diesel, Benzin, Flüssiggas, Erdgas), Einsatz in komplett oder teilweise geschlossenen Räumlichkeiten.
  5. Standsicherheit (10-15 %) – Schwerpunkt von Stapler und Last, Einfluss von Anbaugeräten, Standfläche, Anfahren, Kurvenfahrten und Bremsen, Einfluss von Bodenbeschaffenheit, Bereifung und Achskonstruktion, Wenden auf schiefer Ebene, Verhalten bei umstürzendem Gabelstapler.
  6. Betrieb allgemein (15-20 %) – Betriebsanleitungen und -anweisungen, angemessene Fahrgeschwindigkeit, Verlassen des FFZ, mögliche Gefährdungen Dritter, Befahren von Steigung und Gefälle.
  7. Regelmäßige Prüfung (5 %) – tägliche Sicht- und Funktionsprüfung, regelmäßige Prüfung durch Sachverständigen, Prüfnachweis, Prüfplakette.
  8. Umgang mit Last (10-15 %) – Zustand von Last und Lastaufnahmemittel, Lastaufnahme, Umgang mit nicht palettierten Lasten, Einsatz von Lastschutzgittern und Fahrerschutzdach, Tragfähigkeit von Regalen, Sicht auf Fahrbahn, Transport hängender Lasten, Transport von Gefahrstoffen, Be- und Entladen von Fahrzeugen und Aufliefern.
  9. Sondereinsätze (10-15 %) – Verwendung von Arbeitsbühnen, Fahren im öffentlichen Raum, Verziehen von Anhängern, Einsatz im Tiefkühlbereich, Transport feuerflüssiger Massen.
  10. Verkehrsregeln/Verkehrswege (5 %) – innerbetriebliche Verkehrsregelungen, Befahren von Laderampen, Überladebrücken, Aufzügen, Engpässen, Toren, Durchfahrten und Regalgängen sowie Überqueren von Gleisanlagen.

Im praktischen Teil soll der Lernende im Umgang mit dem Gabelstapler vertraut gemacht werden. Hierzu sieht der Musterlehrplan nach DGUV Grundsatz 308-001 folgende Themenschwerpunkte vor:

  1. Einweisung am Flurförderzeug – Stellteile für Fahren, Bremsen, Lenkung, Lasthandhabung, Sonderstellteile (Multifunktionshebel, Rücktasteinrichtungen), Sicherung und Sicherheitseinrichtungen.
  2. Tägliche Einsatzprüfung – Sichtprüfung, Funktionsprüfung.
  3. Lastschwerpunktdiagramm, Gewichtsverteilung und zulässige Lasten.
  4. Hinweise auf Gefahrstellen am Flurförderzeug – Hubgerüst, Zugang, Fahrzeugrahmen, bei Gabelaustausch, Batteriewechsel, Montage von Anbaugeräten. Diese vier Schwerpunkte sollen zusammen 10-20 % der praktischen Ausbildung umfassen.
  5. Gewöhnung an das Flurförderzeug – Einstellen Fahrersitz, Rückhalteeinrichtung, Anlassen/Starten, Betätigung aller Stellteile ohne Last.
  6. Verlassen des Flurförderzeugs – Sichern von Last und Gerät.Diese beiden Schwerpunkte sollen zusammen etwa 5 % der praktischen Ausbildung ausmachen.
  7. Fahr- und Staplerübungen (55-65 %) – hier sollen anhand realitätsnaher Übungen typische Fahr- und Stapelsituationen eingeübt werden. Unter anderem sollen Fahrten mit und ohne Last, vor- und rückwärts sowie Kurven- und Tordurchfahrten trainiert werden. Auch das Be- und Entladen sowie das Ein- und Ausstapeln von Palettenstapeln oder Gitterboxen an einem Palettenregal gehören zum praktischen Übungsteil.

In der Abschlussprüfung muss die Kenntnis in beiden Teilen nachgewiesen werden, wobei der theoretische Teil in Form eines schriftlichen Fragebogens mit etwa 50 Multiple-Choice-Fragen abgefragt wird. Der praktische Teil muss in einer etwa 20-minütigen Testfahrt nachgewiesen werden, in der der Prüfling das sichere Führen und richtige Bedienen (Aufnehmen, Transportieren, Absetzen von Ladung; Manövrieren) des Gabelstaplers zeigen muss.

 

Wo kann ich den Flurfördermittelschein erwerben?

Der Flurfördermittelschein kann an folgenden Stellen erworben werden:

  • bei Prüfvereinen und Organisationen
  • bei zertifizierten IAG-Ausbildungsbetrieben
  • bei freiberuflichen Ausbildern
  • bei Unternehmen, die mit Gabelstaplern handeln.

 

Wie viel kostet der Flurfördermittelschein?

Die Kosten für den Flurfördermittelschein variieren zwischen ca. 100 und 300 €. Oftmals können die Kosten auch von der Agentur für Arbeit übernommen werden.

 

Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?

Das ist kein Problem! Die Gabelstaplerprüfung kann jederzeit und beliebig oft wiederholt werden.

 

Was muss ich sonst noch wissen?

Im Rahmen einer beruflichen Ausbildung dürfen auch minderjährige Jugendliche unter Aufsicht ein Flurförderzeug bedienen, ohne dass Sie im Besitz eines Flurfördermittelschein sein müssen. 

Einmal im Jahr müssen Besitzer eines Flurfördermittelscheins eine betriebsinterne Sicherheitsunterweisung bekommen. Die Gültigkeit des Staplerscheins selber ist unbegrenzt.

Auch Auffrischungskurse sind bei den weiter oben genannten Institutionen buchbar und dauern in der Regel nur wenige Stunden.

Für das Führen eines Mitgängers (Niederhubwagen, Hochhubwagen, Deichselstapler) ist kein Staplerschein erforderlich.

Der in Deutschland erworbene Flurfördermittelschein ist auch nur in Deutschland gültig und kann auch nicht in beispielsweise einen österreichischen Staplerschein umgeschrieben werden.

 

 

Durch den Flurfördermittelschein in den praktischen Gabelstapleralltag

Durch den Flurfördermittelschein in den praktischen Gabelstapleralltag

 

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Beispielfragen aus dem Theorieteil:

1.Wobei handelt es sich nicht um ein Bauteil eines Frontgabelstaplers?

 

a) Gegengewicht

b) Lenkrad

c) Betriebsstundenzähler

d) Schwenkwerksbegrenzer


2.Wodurch kennzeichnet sich die rahmenlose Blockbauweise?

 

a) alle Antriebskomponenten sind in einem Gesamtblock miteinander verbunden

b) die Gabelzinken sind hydraulisch verstellbar

c) die Energiezufuhr erfolgt über eine Batterie

d) die Antriebskomponenten sind auf verschiedene Bauteile verteilt


3.Wann darf mit einem Gabelstapler über Kopfhöhe gestapelt werden?

 

a) grundsätzlich immer

b) wenn ein Fahrerschutzdach vorhanden ist

c) wenn ein Lastenschutzgitter vorhanden ist

d) über Kopfhöhe darf nicht gestapelt werden


4.Durch welches Bauteil wird das Vor- und Zurückneigen des Hubgerüstes möglich?

 

a) Zweizylinder-Ottomotor

b) Gegengewicht

c) doppelwirkender Hydraulikzylinder

d) Plungerzylinder


5.Wie muss ein Frontgabelstapler geführt werden, wenn das aufgenommene Ladegut die Sicht nach vorne behindert?

 

a) langsam vorwärts, mit nach vorne geneigtem Hubgerüst

b) normal vorwärts, allerdings nur im Schritttempo und mit Warnzeichen

c) rückwärts, vorwärts nur mit Einweiser

d) rückwärts, mit soweit angehobenem Hubgerüst, das zwischen der Ladung hindurchgeschaut werden kann


6.Welches Bauteil von Frontgabelstaplern gehört zum Hydraulikkreislauf?

 

a) Duplex-Hubgerüst

b) Gabelzinken

c) Hubantrieb

d) Axialkolbenpumpe


7.An welchem Bauteil sind die Gabelzinken befestigt?

 

a) Gabelträger

b) Lastmomentbegrenzer

c) Gegengewicht

d) Lastschutzgitter


8.Was gehört zu den Voraussetzungen für das Führen von Flurförderfahrzeugen mit Fahrerstand und Fahrersitz?

 

a) der Besitz eines gültigen Kfz-Führerscheins

b) die mündliche Beautragung durch den Vorgesetzen

c) die schriftliche Beauftragung durch den Vorgesetzen

d) das Tragen eines Schutzhelmes


9.Wie ist die korrekte Vorgehensweise, wenn der Gabelstaplerfahrer einen Defekt oder einen Schaden an dem Fahrzeug feststellt?

 

a) zunächst vorsichtiges Weiterfahren, Meldung des Schadens bei Dienstende

b) sofortige Meldung an den Vorgesetzen

c) Durchführung der Reparatur in Eigenregie

d) Wechsel des Fahrzeugs ohne besondere Meldung


10.Wie groß ist eine Europalette üblicherweise?

 

a) 1000 x 800 x 144 mm

b) 1200 x 900 x 144 mm

c) 1000 x 900 x 144 mm

d) 1200 x 800 x 144 mm


 

Prüfungsfragen Staplerschein Lösungen:

 

1. d

2. a

3. b

4. c

5. c

6. d

7. a

8. c

9. b

10. d